Carl Heinrich Graun (1702/04-1759) zählte neben Johann Adolf Hasse und Georg Philipp Telemann zu den bekanntesten und renommiertesten deutschen Komponisten seiner Zeit, und dies weit über seinen langjährigen Wirkungsort Berlin hinaus, wo er von 1740 bis zu seinem Tod am Hof Friedrichs II. als Kapellmeister und Komponist wirkte.
Dass der „Tod Jesu“ seit über einem Jahrhundert nicht mehr im Repertoire der Kirchen- und Konzertchöre erscheint, dürfte in erster Linie mit dem zeitgebundenen Sprachstil und der ebenfalls zeitverhafteten theologisch-religiösen Ausrichtung der Dichtung zusammenhängen. Das Libretto, das von Karl Wilhelm Ramlers stammt, ist ein charakteristisches Werk der Aufklärungszeit: Nicht mehr die traditionelle lutherische Passionstheologie mit ihrer Lehre vom stellvertretenden Versöhnungstod Christi steht im Mittelpunkt, sondern der tugendhafte Mensch Jesus, durch dessen Empfindungen der Liebe, des Mitleids und des Schmerzes die Hörer angerührt werden sollen. Daher konzentriert sich Ramlers auf die menschlich nachvollziehbaren seelischen und körperlichen Leiden Jesu im Garten Getsemane und am Kreuz und reduziert die dazwischenliegenden, stärker historisch und dogmatisch ausgerichteten Abschnitte der Passionserzählung auf ein Minimum. Die Botschaft der Passion wird dem Hörer durch ein inneres Nacherleben nahegebracht.
Um den Hörer intensiver und direkter ansprechen zu können, verzichtet Ramlers sowohl auf einen berichtenden Evangelisten als auch auf weitere „redende“ Personen und Personengruppen, wie sie uns heute vor allem aus Bachs Passionen geläufig sind.
Statt dessen tritt in den Rezitativen ein gleichsam idealer, allwissender und gefühlsmäßig stark beteiligter Betrachter auf, dessen Partie durchgehend im Präsens (statt der neutestamentlichen Vergangenheitsform) abgefasst ist und der das aktuell vergegenwärtigte (nicht bloß erinnerte) Passionsgeschehen wie in einem großen Monolog stellvertretend für die Hörer mitvollzieht und kommentiert.
Die Musik des „Tod Jesu“ mit ihren drei Vokalsolisten, dem vierstimmigen Chor sowie einem Orchester aus Querflöten, Fagotten, Streichern und Basso continuo vermag auch den heutigen Hörer noch unmittelbar anzusprechen. Die Musik trägt die typischen Stilmerkmale des mittleren 18 Jahrhunderts; die kompositorische Spannweite reicht von der Doppelfuge bis zur opernnahen, mit ausgedehnten Koloraturen versehenen Arie.
Bemerkenswert und ohne direktes gattungsgeschichtliches Vorbild ist das breite Spektrum der Rezitative, mit dem Graun die inhaltlichen Schwerpunkte des Textes sinnfällig werden lässt. Nicht zuletzt wegen der so ausdifferenzierten Rezitative hat das Werk einen exemplarischen Rang in der Musikgeschichte errungen.
Mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim hat die Mauritius-Kantorei ein Ensemble von international anerkanntem Rang für das diesjährige Karfreitagskonzert gewinnen können. Unter der Leitung von Christine Marx musizieren namhafte Solisten – Gundula Peyerl übernimmt die Sopranpartie, Christopher Kaplan singt Tenor und Cornelius Burger wurde als Bassist verpflichtet. Karten gibt es im Vorverkauf ab 15. März zu
€ 15,-/ € 12,- (Schüler € 10,-, Familienkarte € 39,-/ € 35,-) in der Buchhandlung Schairer und bei den Chormitgliedern. Die Karten an der Abendkasse kosten € 17,-/ € 14,-.